Zusammenfassung Pyars Newsletter 2025

Zusammenfassung Pyars Newsletter 2025

08.01.2025
Ihr Lieben,
wir befinden uns gerade zwischen dem Jahresbeginn des Westens und dem chinesischen Neujahr. Bei einer Internetrecherche darüber habe ich erfahren, dass es in Asien je nach Region ganz unterschiedliche Datums für den Jahresbeginn gibt. Alles zwischen 1. Januar und Mitte März kann der Beginn eines neuen Jahres sein.
Wenn wir dies nun zum Anlass nähmen, in den nächsten zwei Monaten wirklich jeden Tag einen Neuanfang sein zu lassen? Ihr erinnert euch vielleicht an diese wunderbare Aussage von Thich Nhat Hanh: “Ich wache auf und lächle. Vierundzwanzig nigelnagelneue Stunden liegen vor mir. Ich gelobe, jeden Augenblick ganz bewusst zu leben und alle Wesen mit den Augen des Mitgefühls zu betrachten.”
Jeder echte Neuanfang bedeutet, dass wir die Vergangenheit hinter uns lassen, so wie auch Padmasambhava sagt: „Die Vergangenheit und ihre Gedanken sind klar und leer und hinterlassen keine Spuren.“ Das ist manchmal gar nicht so einfach, wenn wir zum Beispiel etwas bedauern oder betrauern. Und dennoch hilft es ungemein. Wenn wir mal angenommen etwas bedauern, dann ist dieses Gefühl ja tatsächlich in der Gegenwart vorhanden und möchte mit Wohlwollen und Selbst-Mitgefühl gefühlt sein. Jedoch möglichst ohne Geschichte, ohne Rechtfertigung oder innerem Dialog. In diesem nackten Fühlen erfahren wir, dass auch dieses Gefühl eine Welle auf dem See ist, die sich erhebt, eine Weile vorhanden ist, und verebbt. Und die ganze Zeit über ist diese Welle Wasser.
Dann können wir das Vergangene abgleiten lassen und eine große Last wird uns von den Schultern fallen, wir können lächeln und uns der frischen, nigelnagelneuen Gegenwart bewusst sein, und wir können mit Achtsamkeit und Freudigkeit jetzt tun was jetzt ansteht, oder auch einfach den Schneeflocken beim Fallen zusehen – diese wunderbaren Schneeflocken von denen man sagt, dass es seit Anbeginn der Welt noch nie zwei gleiche Schneeflocken gegeben hat.

12.02.2025

Wenn ich inmitten von Stürmen, Unsicherheiten oder Zweifeln (seien sie nun politisch, ökologisch oder persönlich bedingt) Ausschau halte nach Stabilität und Zuverlässigkeit, dann denke ich als erstes an Buddha Akshobya.
Akshobya repräsentiert die spiegelgleiche Weisheit – die Weisheit, die betrachtet ohne sich zu verstricken. Nichts wird versteckt, nichts wird unterdrückt, und doch bleiben wir im Gewahrsein und in Respekt vor der Soheit der Dinge.
Akshobya gilt als Verkörperung von Unerschütterlichkeit und Zuverlässigkeit. Wenn diese Energie klar ist, führt sie zu Stabilität und zu klarer Wahrnehmung der Soheit.
Ist dies nicht das was wir derzeit so sehr brauchen?
Wenn sich die Energie, die Akshobya repräsentiert, verdreht oder pervertiert, dann äußert sie sich als Hass, als Zorn, Ärger, Enge, als Angst vor allem Fremden und vor Veränderung, und als Starrheit im Sinne von Rigidität. Und das ist ja was wir derzeit mit Sorge beobachten…
Die spiegelgleiche Weisheit Akshobyas und die mit ihr verbundene Kraft macht natürlich nur 20 % der Weisheit aus, denn es gibt fünf Weisheits-Buddhas.
Wenn ihr euch mit der Weisheit Akshobyas, die ja in unser aller Geist wohnt, verbinden wollt, dann schließt kurz die Augen, stellt euch einen blauen Buddha vor, der gemütlich auf einer Lotusblüte sitzt und mit seiner rechten Hand die Erde berührt. Ladet den blauen Buddha ein. Wenn ihr sein Mantra benutzen wollt – es lautet: Om Akshobya Hung. Und dann beobachtet, ob sich eure Gedanken und Gefühle verändern, ob sie klarer und stiller werden. Auf diese Weise können wir uns immer wieder von Neuem gründen und neue Zuversicht und auch Humor gewinnen.

Zum selben Thema noch zwei Zitate von Marc Aurel:
„Du hast Macht über deinen Geist – nicht über äußere Ereignisse. Erkenne dies und du wirst Stärke finden.“
„Heute bin ich der Angst entkommen. Oder nein, ich habe sie verworfen, denn sie war in mir, in meinen eigenen Wahrnehmungen – nicht außerhalb.“

05.03.2025
Ihr Lieben,
in dieser Situation der aktuellen Weltlage fühlen wir uns immer wieder hilflos und machtlos, weil wir von den äußeren Gegebenheiten überrollt, überfordert und bedroht sind.
Wir fühlen uns machtlos, weil wir die „Dämonen“ im Außen wahrnehmen und nicht wirklich etwas dagegen unternehmen können. Und ja – da sind bedrohliche Dinge am Werke. Wenn wir aber erkennen, dass die Wahrnehmung und das eigene persönliche Empfinden dennoch in unserem Inneren stattfinden, dann gewinnen wir die Freiheit zumindest über unser Empfinden zurück. Wir können die spiegelgleiche Weisheit Akshobyas anwenden, ohne selbst in Feindschaft und Hass zu verfallen. Dieser kurze Moment der Erkenntnis „AHA, so ist die Soheit der Dinge gerade“ verschafft uns Klarheit, Raum und auch Handlungs- und Entscheidungsfähigkeit.

Vielleicht sehen wir dann: Dies ist ein Kampf der Machthungrigen, ein Kampf der Kräfte, die man in Tibet die Nicht-Götter oder die eifersüchtigen Götter nennt. Was kann ich dann für mich und für meine nähere Umgebung segensvoll tun? Ich kann mich zum Beispiel in der segnenden Abgrenzung üben, die Buddha Amoghasiddhi mit seiner Handgeste ausdrückt, und die eine der Medizinen für den Bereich der eifersüchtigen Götter ist.

Zugleich ist es so, und es ist wichtig zu wissen: Die Angst, die viele derzeit empfinden, ist keine gestörte Emotion, sondern eine natürliche Reaktion auf das Bedrohliche. Dennoch ist die Angst selbst meist kein guter Ratgeber… Wir sollten sie respektieren und als Wecker wahrnehmen, wir sollten sie fühlen, um dann aber wieder die gesunde Distanz der spiegelgleichen Weisheit als Basis unseres Denkens und Entscheidens zu nutzen. Ja, das Wahre Gute Schöne, auch das Verlässliche in unserem Leben ist bedroht, aber die Basis, aus der das Wahre Gute Schöne, aus der das Mitgefühl, die Freundschaft und Verlässlichkeit unter uns Menschen entsteht und auch immer wieder erstehen kann, ist nicht bedroht, denn sie ist unzerstörbar!

Das bedeutet für uns als spirituelle Menschen, dass wir gerade in schwierigen Zeiten die Verantwortung haben uns immer wieder an diese unzerstörbare Basis zu erinnern, in ihr Gewissheit zu finden, und diese Gewissheit und Mitgefühl (wortlos) ausstrahlen zu lassen zum Wohle aller.

Und bitte vergesst nicht das HEILIGE TROTZDEM. Die Gänseblümchen blühen trotzdem in diesem Frühling, die Vögel singen und bauen eifrig ihre Nester, und wir dürfen, ja sollen uns an all dem TROTZDEM erfreuen und auch aus dieser freudigen Resonanz unseres Wesens Kraft und Lebensfreude schöpfen.

Im gemeinsamen Feld von Sangha, kann segnende Abgrenzung, spiegelgleiche Weisheit, die Gewissheit und Wirksamkeit der Basis zu einer tragenden und wirkungsvollen gemeinsamen Erfahrung werden.

09.04.2025
Hannah Arendt: „Jeden Tag etwas zweifellos Sinnvolles tun.“

Viktor Frankl zugeschrieben: „Zwischen Reiz und Reaktion ist Raum. In diesem Raum liegt unsere Freiheit, weil er uns ermöglicht, uns für eine Reaktion zu entscheiden. Durch unsere Reaktion können wir reifer werden und haben Einfluss auf unser Glück.“

Pyar: „Das heilige Trotzdem! Genießt das Frühjahr mit seinen Blumen, Sonne und Vögeln.“

Thich Nhat Hanh: „Ich atme ein, ich atme aus, ich lächle.“

07.05.2025
Ihr Lieben,
unser Osterretreat war intensiv und ging sehr tief. Mein Anliegen war mit euch zu üben wie wir auch in unruhigen Zeiten einen sicheren inneren Stand und unser unbedingtes Glücklich-Sein bewahren und schützen können. Dabei waren uns zwei Texte sehr hilfreich.
Zum einen Milarepas Text „In den Schneebergen von Yolmö“, wo es ganz am Anfang heißt: „Ich bin glücklich in der strahlend klaren Meditation über die Offenheit des Geistes, äußerst glücklich, dass das Spiel der Erscheinungen nie aufhört, und werde immer glücklicher, je größer das Auf und Ab der Erfahrungen ist.“
Dieses Glück, von dem Milarepa spricht, ist wirklich ein Glück, das bestehen bleibt – unabhängig von äußeren oder inneren Bedingungen. Es ist dieses Glück, das von Anbeginn in unseren Herzen wohnt, dieses Glück, das eine grundlegende Qualität der klaren Natur des Geistes ist, an der wir alle teilhaben. Diesem Glück, das uns wesenseigen ist, nachzuspüren ist segensreich, und wir durften das im Retreat gemeinsam genießen.
Der zweite Text stammte von Thich Nhat Hanh: „Wenn das Leben uns wie ein wilder Ozean vorkommt, müssen wir uns daran erinnern, dass in uns eine Insel des Friedens ist.
Im Leben gibt es immer ein Auf und ein Ab, es gibt Kommen und Gehen, Gewinn und Verlust.
Wir sind in Sicherheit, wenn wir auf der Insel des Selbst weilen…
Machen Sie beim Einatmen zwei Schritte und sagen Sie: „Ich nehme Zuflucht.“
Machen sie beim Ausatmen drei Schritte und sagen Sie: „Zur Insel des Selbst.““
Das übten wir jeden Tag im Garten des Domiciliums, und wir machten dabei wunderbare Erfahrungen der Nähe zur Erde, zur Natur und zu uns selbst. Es ist erstaunlich wie schnell es mit einer so einfachen Übung gelingt sich zu zentrieren, und dabei Freude und Stille zu erfahren!

28.05.2025
In den letzten Satsang-Wochenenden im Mai haben wir weiter geübt wie wir die Klarheit, den Raum, die feine Freude in uns auch in schwierigen Zeiten finden und bewahren können.

Dabei erkannten wir wie wichtig es gerade jetzt ist Freundlichkeit, Wohlwollen und Heiterkeit als innere Haltung zu bewahren. Und wie wichtig es ist, den Buddha in uns, die Insel des Selbst in uns – wie Thich Nhat Hanh es nennt – wieder und wieder aufzusuchen, und wieder und wieder dort Zuflucht zu nehmen.

Natürlich taucht bei diesem Bemühen in unserem menschlichen Geist immer wieder dualistisches Denken auf – so ist unser Hirn nun mal gebaut. Zum Beispiel tauchen immer wieder mehr oder weniger subtil Fragen auf wie: „Kann und vor allem darf ich Heiterkeit und Weite erfahren trotz all dem Leid in der Welt?“ „Kann ich Freudigkeit bewahren auch wenn ich gerade Schmerz empfinde?“.
Hier produziert unser Geist ein großes ODER: Entweder ist da Raum oder ein Empfinden, Erfahren. Relativ schnell lässt sich der Geist überzeugen, dass alle Erfahrungen, Formen und Bewegungen sich IM Raum, IN der Weite befinden. Er beharrt dann aber immer noch auf einer Trennung zwischen Raum und Inhalt, zwischen Göttlichkeit und Schöpfung. Ungefähr wie Schnittlauch, der in der Suppe schwimmt, den wir aber jederzeit aus der Suppe entfernen können.

Die Wirklichkeit jedoch ist, dass Göttlichkeit und Schöpfung, Raum und Inhalt, Form und Leerheit ungetrennt sind und in inniger Gleichzeitigkeit vorhanden.
Ihr erinnert Euch: das Herzsutra: „Form IST Leerheit und Leerheit IST Form…“

01.07.2025
Herzsutra

Auf Sanskrit heißt dieses Sutra Prajnaparamita. Prajnaparamita bedeutet: die Weisheit die hinüberführt, oder auch die vollkommene Weisheit. Tatsächlich erlaubt uns das Herzsutra einen zutiefst befreienden und lebensbejahenden Zugang zur Wirklichkeit. Es führt uns hinüber zu einer Sicht, die die Innigkeit der Gleichzeitigkeit von Form und Leerheit, von Raum und Inhalt, von Ewigkeit und Zeit umschließt. Es führt uns hinüber zu einer Sicht, die die Wirklichkeit der unendlichen Bezogenheit aller Phänomene einschließt. Es führt uns hinüber zu einer Sicht, die uns ermöglicht uns von überkommenen Konditionierungen zu lösen und in Freiheit, Freude und Mitgefühl ganz im Hier und Jetzt zu leben ohne an Altem zu haften, und ohne uns befürchtende oder hoffende Vorstellungen über das Morgen machen zu müssen.

10.09.2025

Die beiden wunderbaren Retreats in diesem Sommer sind immer noch sehr präsent, und das Herzsutra klingt und schwingt noch immer nach. Es ist wohltuend und wunderschön diese Worte des Herzsutra und insbesondere den ersten Satz „Ehre sei der vollkommenen Weisheit, der lieblichen, der heiligen!“ immer wieder durch Geist und Herz wehen zu lassen. Das Vertiefen der Einsicht in die Verwobenheit aller Dinge und beider Dimensionen der Wirklichkeit hat kein Ende. Wie schön!

22.10.2025
IM Herbst gibt es ein Satsang-Seminar-Wochenende zum Thema „Tilopas Gesang von Mahamudra“ an.
Und da dieser Text ganz wunderbar an das Sommer-Thema „Herz-Sutra“ anschließt, wird er sicherlich in den kommenden Satsang Wochenenden zur Sprache kommen.
Dieser schöne Text beginnt so:

„Mahamudra ist jenseits aller Worte und Symbole –
Aber dir, Naropa, aufrichtig und treu, sei dennoch so viel gesagt:
Die Leere braucht keine Stützen, Mahamudra ruht auf nichts.
Ohne jede Anstrengung, einfach nur, indem du gelöst und natürlich bleibst,
Kannst du das Joch zerbrechen – und Befreiung erlangen.“

Ich freue mich schon jetzt sehr darauf mit euch gemeinsam die Leichtigkeit und die Tiefe von Tilopas Gesang zu erfahren.

„Ohne jede Anstrengung – einfach nur, indem du gelöst und natürlich bleibst, kannst du das Joch zerbrechen.“ Schon allein dieser kleine Satz kann in uns so viel Erleichterung auslösen. Geraten wir doch immer wieder unter das Joch der Anstrengung. „Wir müssten und müssen und sollten und müssten…“ und dann: Aaah…: „Ohne jegliche Anstrengung, gelöst und natürlich…“
Wir alle brauchen immer wieder eine Erinnerung an diese einfache aber hochwirksame Medizin!