Zusammenfassung Pyars Newsletter 2024
28.02.2024
Ihr Lieben,
diese Strophe aus der Avadhut Gita bewegt mich während der letzten Wochen:
„Ein Yogi hat keinen speziellen Weg.
Er weigert sich lediglich sich Dinge vorzustellen.
So stoppt sein kleiner Geist von selbst.
Und der vollkommene Zustand geschieht ganz natürlich.“
Dieses „… er weigert sich lediglich sich Dinge vorzustellen…“ ist eine wunderbare Wahrheit und Übung. Vieles was uns emotional belastet betrifft gar nicht so sehr die Fakten der Soheit Jetzt, sondern viel mehr unsere Vorstellungen darüber wie sich die Situation weiter entwickeln könnte, oder Vorstellungen darüber wie es anders hätte laufen können, oder Vorstellungen darüber wer daran schuld sein könnte…
Diese Vorstellungen sind ein gut gemeinter Versuch unseres Geistes uns vor unangenehmen Erfahrungen zu bewahren – nur leider führt er im Allgemeinen dazu, dass wir mehr leiden als nötig…
… alle diese Vorstellungen legen einen Schleier über die Wirklichkeit dessen was sich uns genau jetzt und hier in der Welt der Phänomene zeigt.
Also versucht dem Nicht-Weg des Yogi zu folgen und zunächst zu bemerken, wo das Sich-Vorstellen beginnt, und dann lasst diese Vorstellung durchsichtiger werden oder am besten gleich ganz abgleiten. Dann bleibt die Präsenz und die Möglichkeit sich dem mit liebevoller Achtsamkeit zuzuwenden was jetzt zu erfahren ist. Und es bleibt die Möglichkeit, gleichzeitig das unendliche Mandala des Raumes wahrzunehmen, in dem alle Erfahrungen immer geborgen sind.
Mir ist auch aufgefallen, dass mit dem älter werden sich häufiger Erinnerungen über das aktuell Gesehene legen. Jetzt zum Beispiel blühen Schneeglöckchen im Garten, und sofort präsentiert mein Geist Bilder früherer Schneeglöckchen-Erlebnisse. Das können ja wunderschöne Erinnerungen sein, und doch hindern sie mich an der strahlenden Wahrnehmung der Schneeglöckchen jetzt. Sobald ich es merke, stoppe ich die Vorstellung der vergangenen Schneeglöckchen und verabschiede sie mit Dankbarkeit. Und jetzt kann ich die echten Schneeglöckchen dieses Jahres feiern und genießen!
28.02.2024
Selbstliebe und Selbstmitgefühl sind die Basis für unsere liebevolle Zuwendung zu anderen und sehr wichtig für Erholung und Stressabbau. Und das haben wir ja alle derzeit nötig…
In den Retreats werde ich mit dem Metta-Sutra „Möge ich friedvoll, glücklich und leicht in Körper und Geist sein…“ mit euch Selbstmitgefühl und Mitgefühl üben.
Wie kann ich Friedlichkeit, Glück und Leichtigkeit erfahren – genau jetzt?
Was steht dem vielleicht im Wege?
Gönne ich es mir?
09.04.2024
Diesen geradezu sommerlichen Frühling genieße ich sehr, und wieder einmal ist mir als hätte ich all diese Wunder noch nie erlebt: Den virtuosen Gesang der Grasmücken im Garten, das Schlüpfen der Kaulquappen, der erste Molch, der über meine Hand läuft, das zarte Grün der Bäume und die überwältigende Fülle der Blüten… Geht es euch nicht auch so, dass all das immer wieder neu ist – als wäre es der erste Frühling?
Lasst euch nieder im Staunen und findet euch lächelnd wieder in diesem grandiosen Tanz des Entstehens – und auch des Vergehens; dieser unablässige unendliche Tanz der Existenz, dieses ständige Neuentstehen der Natur aus dem Urgrund: Genau jetzt – ganz frisch. So wie der Vogel, der am Himmel keine Spur hinterlässt.
Genauso kann auch unser Geist sein: Frisch, neu in jedem Moment, strahlend in Klarheit und feiner Freude – unbelastet von alten Spuren und Mustern. Wie in dem Text: „Die Tiefen der Hölle ausleeren“ von Guru Chowang, einem tibetischen Meister des 13. Jhdts.:
„Erstehe von Neuem in der Weite formloser Freude ohne jede begriffliche Vorstellung.“
Getragen von der Praxis des (Selbst-)-Mitgefühls half uns dieses Retreat so manche Gespenster der individuellen Vergangenheit sich in die Weite des Raums befreien zu lassen. Wie wunderbar wenn auf diese Weise im Jetzt neue Freiheit entsteht weil alte Konditionierungen und Schutzmechanismen abgleiten.
22.05.2024
In diesem Sommer möchte ich mit Euch den wunderbaren Text von Padmasambhava „Selbstbefreiung durch Sehen mit nacktem Gewahrsein“ lesen, und damit zusammen mit Euch tiefer in die letztendliche Natur des Geistes eintauchen, in diese strahlende Natur des Bewusstseins – ohne Anfang, ohne Ende – unsere eigene und eigentliche Natur.
„Emaho! Es ist die ungeteilte Natur des Geistes, die das gesamte Samsara und Nirwana umfängt. Obwohl dieser Geist … die innewohnende Natur dieses Geistes von Anfang an existiert hat, hast du sie nicht erkannt. Obwohl seine Klarheit und Präsenz ununterbrochen war, bist du seinem Gesicht nicht begegnet. Und obwohl sein Aufsteigen nirgends versperrt war, hast du ihn dennoch nicht verstanden.“, schreibt Padmasambhava am Anfang dieses Textes
Dieses Ungeteilte, dieses alle Dualität Durchdringende und Umfassende, diese Innigkeit der Gleichzeitigkeit von Raum und Inhalt, von Ewigkeit und Zeit ist so wunderbar und staunenswert! Und es gibt uns die Ruhe und Zuversicht, die wir so dringend benötigen.
Sehen mit nacktem Gewahrsein – ohne Filter, direkt, klar und mitfühlend. Dieses Sehen geschieht immer in der Gegenwärtigkeit.
„Meine Sichtweise ist weit wir der offene Raum, aber mein Handeln, mein Respekt für Ursache und Wirkung ist so fein wie Mehlstaub“, sagt er an anderer Stelle.
Die Weite der Sicht und die Feinheit des Ausdrucks unserer menschlichen Sprache und Handlung zu verbinden – wie gut!
03.07.2024
Ihr Lieben,
es ist Sommer, und für viele beginnt jetzt die ersehnte Ferienzeit.
Ich beobachte schon länger, dass viele Menschen seit Jahren einen hohen Stresslevel erfahren. Diese Zeit der außergewöhnlichen Belastungen und der Unruhe geht jetzt schon über 4 Jahre, deshalb haben viele sich so sehr an diese innere Anspannung gewöhnt, dass sie kaum noch bewusst wahrgenommen wird.
Umso wichtiger ist es jetzt sich Urlaubs- und Ferienzeit zu gönnen, einfach Ruhe und Staunen, Freizeitaktivitäten und faules am Strand liegen zu genießen, sich aber auch dem eigenen Inneren in liebevoller Achtsamkeit zuzuwenden. Und es ist wichtig, das was da in uns vielleicht umarmt werden will, nicht mit zu vielen Ferienterminen, Freizeitstress und Unternehmungen zuzudecken. Vielleicht tauchen in der Lücke des Nichts-Tuns zunächst Anspannungen auf, aber wenn sie ihren Raum und liebevolle achtsame Zuwendung erhalten haben, können sie sich aus sich selbst befreien, und ihr gelangt wieder ins Zentrum eurer Kraft und Freude, kommt wieder in euer Herz und könnt das Gewahrsein des Jetzt zutiefst genießen.
Ich freue mich schon sehr auf unsere beiden Sommer-Retreats, in denen wir gemeinsam still sein, genießen und freudig miteinander sein werden. Padmasambhavas wunderbarer Text „Selbstbefreiung durch Sehen mit nacktem Gewahrsein“ wird uns dabei begleiten.
“Jetzt, wenn ihr in euer eigenes, innewohnendes Gewahrsein eingeführt werdet, dann besteht die Methode des Eintretens in drei Betrachtungen: Die Gedanken der Vergangenheit sind klar und leer und hinterlassen keine Spuren. Die Zukunft und ihre Gedanken sind frisch und durch nichts bedingt. Und in der Gegenwart, wenn dein Geist in seinem eigenen Zustand bleibt, ohne irgendetwas zu konstruieren, dann ist das Gewahrsein in diesem Moment sehr gewöhnlich.”
“Wenn du so in dich selbst, vollkommen nackt hineinsiehst, ohne weitere darüber nachdenkende Gedanken, dann wirst du eine leuchtende Klarheit finden. Weil in diesem Moment nur das Beobachten da ist – ohne jemanden, der der Beobachter wäre.”
24.07.2024
Das erste der beiden Sommer-Retreats ist schon wieder vorbei. Wir fühlten uns sehr wohl und genossen sowohl die ruhige Atmosphäre wie auch den so schönen und hilfreichen Text von Padmasambhava.
Es war für mich und uns alle wieder ein wunderschönes Erleben, wie unser Verstehen tiefer wuchs, und der Abstand zu unserem täglichen Sein mit all seinen Herausforderungen uns ruhiger, offener und präsenter werden ließ.
Hier nochmal ein kleiner Ausschnitt des Textes, der uns in diesen Tagen beschäftigte:
„Sei gewiss, dass die Natur des Geistes leer und bodenlos ist. Dein eigener Geist ist so substanzlos wie der leere Himmel. Du solltest deinen eigenen Geist betrachten, um zu sehen, ob es so ist oder nicht.
Sei gewiss, dass das aus sich selbst entstehende ursprüngliche Bewusstsein von Anbeginn klar und leuchtend ist wie das Herz der Sonne, das aus sich selbst heraus entsteht. Du solltest deinen eigenen Geist betrachten um zu sehen, ob es so ist oder nicht.
Sei gewiss, dass dieses ursprüngliche Bewusstsein und seine Weisheit, das eigene innewohnende Gewahrsein, unaufhörlich ist, wie der Hauptarm eines Flusses der unaufhörlich fließt. Du solltest deinen eigenen Geist betrachten, um zu sehen, ob es so ist oder nicht.“
11.09.2024
Ihr Lieben,
die ersten herbstlichen und kühlen Tage treiben mich aus dem Garten ins warme Arbeitszimmer.
Unser August-Retreat in der Bettenburg war tief und weit und voller Genuß! Wir haben uns weiter intensiv mit dem Text von Padmasambhava „Selbstbefreiung durch Sehen mit nacktem Gewahrsein“ beschäftigt und uns in die Weite und Klarheit unserer wahren Natur führen lassen. Allein schon dieser Satz ziemlich am Anfang des Textes: „Es ist die ungeteilte Natur des Geistes, die das gesamte Samsara und Nirvana umfängt“ ist so wunderbar klärend. Was auch immer in unserem Leben und im Universum geschieht, es ist sicherlich umfangen von der ungeteilten Natur des Geistes! Die guten und die unangenehmen Seiten unserer selbst und der Welt gleichermaßen. Lasst diesen Satz tief sinken und erinnert euch immer wieder an ihn – in allen Situationen eures täglichen Lebens, bei all euren Gefühlen und all euren Gedanken. Schaut so immer wieder aus dem Großen, aus der ungeteilten Natur des Geistes und erfahrt die Befreiung, die das hervorruft!
09.10.2024
Dieses Thema und der Text von Padmasambhava begeistern mich immer mehr, weil ich erleben darf, wieviel Erleichterung und Befreiung das hervorruft.
Die zentrale Praxis dieser Übermittlung von Guru Rinpoche besteht in drei Betrachtungen:
“Jetzt, wenn du in dein eigenes, wahrhaftiges, innewohnendes Gewahrsein eingeführt wirst, beinhaltet die Methode für dieses Eintreten drei Betrachtungen:
- Die Vergangenheit und ihre Gedanken sind klar und leer und hinterlassen keine Spuren.
- Die Zukunft und ihre Gedanken sind frisch und durch nichts bedingt.
- Und im gegenwärtigen Moment, wenn dein Geist in seinem eigenen Zustand verweilt, ohne irgendetwas zu konstruieren, dann ist das Gewahrsein in diesem Moment sehr einfach und gewöhnlich.
Wenn du auf diese Weise nackt in dich selbst hineinschaust, ohne irgendwelche untersuchende Gedanken, dann wirst du, da nur dieses reine Beobachten da ist, eine leuchtende Klarheit finden, ohne irgendjemanden, der der Beobachter wäre.”
Ja, in allen Satsangs der letzten Wochen gab es bei den Kontemplationen darüber spontane Ausrufe von „Oh wie gut“, „Ach da fällt mir Gewicht von der Seele“… Und dies, obwohl das Eintreten in das innewohnende Gewahrsein durch diese drei Pforten ja erstmal beschwerlich erscheint: Die Pforten sind eher schmale Durchschlupfe, in denen man viel an Identifikation mit der eigenen Geschichte und mit den eigenen Erwartungen abstreifen muss um hindurch zu gelangen.
13.11.2024
Klare Sicht bewahren inmitten des Novembernebels, die Frische und Freude des Augenblicks bewahren inmitten von Vergänglichkeit – das sind wohl die inneren Herausforderungen derzeit.
Diese Haltung zu bewahren ist wichtig. Immer wieder sich der Weite des unendlichen Mandalas zu erinnern, in dem alle Phänomene – die angenehmen und die unangenehmen – auftauchen, geborgen sind und verschwinden… AH… Erleichterung. Der Blick weitet sich, und wir finden uns in der Präsenz. Dann freuen wir uns über das Rotkehlchen vor dem Fenster, bemerken die Schönheit des Nebels und das Wunder des Augenblicks. Die feine Freudigkeit, die untrennbar ist vom Gewahrsein, wird so immer wieder erfahrbar, und im Laufe der Zeit gewinnen wir die Gewissheit, dass Gewahrsein mitsamt seiner Freudigkeit wirklich verlässlich ist. Wie Padmasambhava sagt: „Sei gewiss, dass dieses ursprüngliche Gewahrsein unaufhörlich ist wie der Hauptarm eines Flusses, der unaufhörlich fließt. Du solltest in deinen eigenen Geist hineinschauen um nachzusehen, ob es so ist oder nicht.“