Tantra

Tantra

Das Sanskritwort Tantra bedeutet Ausdehnung und Gewebe. Es hat nicht – wie heute manchmal angenommen – immer und unbedingt mit Sex zu tun. Alle spirituellen Richtungen und Texte, die sich ursprünglich mit Tantra beschäftigen, betrachten, untersuchen und erfahren das Gewebe des Makro- und Mikrokosmos in seiner ständigen Bezogenheit, Bewegtheit und Veränderlichkeit in der unveränderlichen Weite des Raumes. Ziel der ursprünglichen tantrischen Übung ist die Transformation und Vereinigung von Dualität und das direkte Erfahren und Leben der Bezogenheit ohne jegliche Einschränkung und damit Befreiung von den Fesseln des Leidens. Die tantrischen Wege legen großen Wert auf direktes, praktisches und vor allem achtsames Erfahren – Erfahren der materiellen Welt um uns und in uns mit allen Sinnen, und Erfahren der feinstofflichen Bereiche mit Hilfe von Meditations- und Visualisationsmethoden. Bei letzteren geht es meist um die Vereinigung des Übenden mit einer reinen Ausdrucksform des Göttlichen und die Transformation jeglicher Dualität – die Hochzeit von Dunkel und Licht, von Mann und  Frau im eigenen Wesen. Im achtsamen Erfahren aller sinnlichen Wahrnehmung stellt sich großes Staunen ein ob der unendlichen wechselseitigen Bezogenheit aller Wesen und Dinge. Das Staunen feiert das Leben in all seinen Aspekten. Und tieferes und tieferes Erkennen der einen Wirklichkeit in Form und in Leere zugleich führt zu großer Gelassenheit, Freude, Liebe und Mitgefühl.