Wahrheit

WAHRHEIT

Mein erster Beitrag zu meinem ersten Blog ist ein Auszug aus meinem neuesten Newsletter, bei dem es unter anderem um das Wort des Jahres „post-truth“ geht.
Das geht mich an! Das geht uns an!
Weil Sat-Sang Zusammensein in Wahrheit bedeutet und uns daher interessieren muss was wohl mit „Nach-der-Wahrheit“ gemeint sein mag und was das worauf diese Wortschöpfung hindeutet für uns bedeutet…
In den nächsten Beiträgen werde ich versuchen verschiedene Aspekte so gut ich kann zu beleuchten. Zum Beispiel Wahrheit und Meinung, oder Wahrheit und Gefühl. Dies wird in unregelmäßigen Abständen geschehen, also am besten immer mal reinschauen 🙂


Hier also der Ausschnitt:
… die Definition des Oxford Dictionary, das post-truth zum internationalen Wort des Jahres 2016 bestimmte: „Post-truth ist ein Adjektiv, das sich auf Umstände bezieht oder Umstände bezeichnet, in denen objektive Fakten weniger Einfluss auf die Bildung der öffentlichen Meinung haben als das appellieren an Emotionen und persönlichen Glauben.“
Ist das neu? Ja und Nein. Legendenbildung, Emotionalität und Lüge waren immer Teil der Politik. Was mir neu erscheint ist, dass manche mächtige Menschen neuerdings, wenn sie einer Lüge überführt werden, die Dreistigkeit haben zu sagen: „Was solls, stimmt zwar nicht, hat aber zu Erfolg geführt.“ Was bedeutet: Erfolg wird zu einem Gradmesser für Richtigkeit. Oder: „…es geht nicht um die reine Statistik, sondern es geht darum, wie das der Bürger empfindet…“ Was bedeutet: Das vermutete Empfinden zu etwas wird zu einem wichtigeren Gradmesser der Wirklichkeit als Tatsachen.
Und genau hier geht es uns an! Denn wir als Zuhörer und Wähler und als spirituell orientierte Menschen sind es, die entscheiden welchen Stellenwert wir unseren Emotionen bei der Wahrheitsfindung geben. Und das betrifft nicht nur die Politik, sondern unser eigenes tägliches Leben. Die gefühlte „Wahrheit“ sehr hoch zu schätzen ist tatsächlich ein Zeitphänomen – sogar meine Wetterapp gibt neben der gemessenen Temperatur auch eine gefühlte Temperatur an, wobei vollkommen vernachlässigt wird, dass diese gefühlte Temperatur ein von uns Menschen sehr individuell und unterschiedlich gefühltes Phänomen ist 🙂
Emotion
Emotion ist wesentlich für unsere Kommunikation, für unser Zusammen-Sein, und sie ist eine große Begabung der Menschen. Und sie ist oft schneller als eine Analyse und ermöglicht so unser Überleben in gefährlichen Situationen. Sie ist aber auch unzuverlässig, schwankend und beweist nichts. Und sie kann ein sehr schlechter Ratgeber sein, wie uns z.B. Thich Nhat Hanh warnt:
„Oft nutzen die Menschen ihre Wut bei sozialem Unrecht als Grundlage für Maßnahmen, aber das ist unklug. Wenn du wütend bist, bist du nicht klar, und du kannst viele schädliche Dinge tun.“
Auch die Angst ist ja bekanntlich oft ein schlechter Ratgeber…
Buddha First
Für uns als Menschen, denen Wahrheit Freude und Liebe am Herzen liegen kann es nur die Schlussfolgerung geben:
Wenn Angst, Wut, Sorge oder Verwirrtheit auftritt ist es klug erst das anzuwenden, was wir zusammen lernen und immer wieder üben:
Einen Schritt zurückzutreten und den Gedanken- und Gefühlsanteil dieses Komplexes von Angst/Sorge als einen Mix dieser Gefühle und Gedanken wahrzunehmen. Z.B. mit dem Atem: Einatmend beobachte ich meinen Geist – ausatmend beobachte ich meinen Geist. Damit wird die Qualität des Gewahrseins erfahrbar. Dann bin ich nicht mehr mittendrin im Chaos, sondern ich kann es beobachten. Das schärft die Intelligenz. Wir können die Gefühle fühlen, aber auch das aus der Sicht des Gewahrseins, aus der Basis der Freude. Die Freude, die grundlegende Gutheit ist unsere Natur, unsere Basis. Von dort aus können wir alles Mögliche betrachten und auch durchschauen in seiner Fragilität, in seiner Zusammengesetztheit, in seiner Komplexität, in seiner Bedingtheit. Wie die Dinge ebenso sind… Und unser Denken, Fühlen und Handeln wird ein anderes werden. Und der Satz: „Ehre sei der vollkommenen Weisheit, der lieblichen, der heiligen“ wird lebendig in unserem Leben.
In diesen Tagen ist es wieder einmal enorm wichtig, dass es Menschen gibt, die die klare Sicht bewahren, die aus der Freude schauen, die Ruhe bewahren ohne die Augen zu verschließen, die intelligent handeln und die so im Ganzen wirken. Dazu möchte ich euch gerne anregen.
Und ja – dafür brauchen wir eine klare Hierarchie in unserem Inneren:
Buddha First 🙂
Absolute Wahrheit
Zu unterscheiden ist zwischen relativer und absoluter Wahrheit.
Absolute Wahrheit ist einfach – im wahrsten Sinne des Wortes. Sie ist eins, sie ist immer dieselbe. Schon oft habe ich Euch gesagt, prüft wieder und wieder, denn was wirklich wahr ist, muss immer wahr sein. Wie zum Beispiel Padmasambhavas Behauptung: „Im unendlichen Mandala des Raumes haben alle Phänomene leicht Platz – sie haben leicht Platz und da ist immer noch Weite…“ Diese absolute Wahrheit ist eine Wahrheit der unendlichen Dimension, durchdringt jedoch zugleich die historische Dimension, in der es Dualität gibt und auch
Relative Wahrheit
Die relative Wahrheit bewegt sich in der historischen Dimension und unterliegt der Dualität. In diesem Bereich ist auch „post-truth“ angesiedelt. Die Relativität macht diesen Aspekt der Wahrheit jedoch nicht weniger wichtig.
Bei meinen Recherchen stieß ich natürlich wieder auf Hannah Arendt, die ich so liebe (das ist natürlich subjektiv :)). Sie schrieb zur Zeit des Vietnam-Krieges zwei Essays: „Die Lüge in der Politik“ und „Wahrheit und Politik.“ (Auf Deutsch erschienen 1972 im Piper-Verlag). Und sie schrieb 1969: „Wahrheit könnte man begrifflich definieren als das, was der Mensch nicht ändern kann; metaphorisch gesprochen ist sie der Grund auf dem wir stehen, und der Himmel, der sich über uns erstreckt.” Womit sie bereits auf die letztendliche Dimension hin :).
Einige Aspekte der historischen Dimension kann ich hier nur anreißen, denn sie ist sehr komplex:
Was ist der Gegensatz zu Wahrheit?
In der Geisteswelt ist das die Illusion.
Im menschlichen Miteinander ist es die Lüge.
In der Wissenschaft ist es der Irrtum oder die Unwissenheit.
In der Psychologie wissen wir heute, dass selbst unsere Erinnerung formbar und veränderbar, nicht verlässlich ist.
Und in der Politik ist oft auch die Meinung die Widersacherin der Wahrheit. Hannah Arendt warnt vor 30 Jahren in o.g. Schrift: „Denn vom Standpunkt dessen, der eine Wahrheit mitzuteilen hat, ist die Neigung Tatsachen in Meinungen aufzulösen beziehungsweise den Unterschied zwischen beiden zu verwischen nicht weniger verblüffend und schockierend als die Resistenz der Menschen gegen Wahrheit überhaupt…“ Das klingt bekannt…
Also lasst uns üben uns nicht narren zu lassen – weder von der eigenen Emotionalität, noch von Meinungen, die zu scheinbaren Wahrheiten erhoben werden, und auch nicht davon wenn Wahrheit zu Meinung degradiert wird…