Buddha, Heilung und Spiritualität

Heilung und Spiritualität

Für die Connection Ausgabe Februar/März 2004

Wir müssen zwischen oberflächlicher und tiefer Heilung unterscheiden. Oberflächliche Heilung heißt sich von Symptomen zu befreien – sich Erleichterung von Schmerzen, von Wut, Mangel oder Unangenehmen zu verschaffen. Das ist wunderbar, aber die Symptome werden wiederkehren. Das Rad des Leidens, des Samsara ist eine immer wiederkehrende Wiederholung derselben Muster, derselben Wünsche, desselben Versuchs durch Erfüllung dieser Wünsche im Außen endlich satt und befriedet zu werden – und immer wieder enttäuscht und hungrig zurück zu bleiben.

Tiefer geht es, wenn Integration möglich ist. Dazu ist zunächst tiefe, liebevolle Akzeptanz des eigenen Wesens mit allen Macken und allen Begabungen notwendig. Dann entdeckt man die grundlegende Gutheit jedes Wesens, die all dem zugrunde liegt. Ein erster Geschmack von Friedlichkeit und Stille taucht auf. Dem in Treue sich zuwendend und in tiefer Untersuchung aus Stille heraus ist eine anhaltende Transformation von Gier, Zorn, Eifersucht, Neid und anderen gestörten Emotionen möglich. Dafür ist viel Geduld nötig, es ist ein wegloser Weg ohne Fahrplan. Wir gehen diesen Weg durch immer wieder Innehalten, Achtsamkeit, Treue, Nicht-Wissen, immer am Anfang stehen, Still-Sein, Hingabe und Loslassen und Loslassen. So verschwinden die Wurzeln des Leids: Verblendung, Gier und Hass. Ich verschwindet, der Traum verschwindet, Trennung verschwindet. Und das ist tiefe Heilung. Klarheit, Offenheit, Liebe, Mitgefühl, Friede und tiefste Berührbarkeit bleiben.

Heil sein, ganz sein heißt frei sein. Frei von Leid, von Anhaftung, von Trennung. Aber, und hier gibt es immer wieder Missverständnis und Illusion: Frei von Leid und Trennung zu sein bedeutet nicht keine Krankheiten des Körpers, keine Schmerzen oder Traurigkeit mehr zu erfahren. Mein Erfahren ist vielmehr, dass Schmerz, auch seelischer Schmerz, stärker empfunden wird, aber es gibt keinen Widerstand dagegen, keinen Kampf, keinen Zorn, und zu gleicher Zeit sind Frieden, Stille, Raumhaftigkeit – sogar eine feine, köstliche Freude vollkommen unverändert stets vorhanden. Und das ist die wirklich gute Nachricht – welche Kostbarkeit!