Atemlos in einer ruhelosen Zeit versus Atem-Achtsamkeit

Atemlos in einer ruhelosen Zeit versus Atem-Achtsamkeit

Heute gelesen im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung:

Andrian Kreye beschreibt dort unter dem Titel „Atemlos“ die Rast-, Atem- und Schlaflosigkeit, die uns in unserer Kultur befällt. Er sieht drei grundlegende Ursachen dafür:

  • Die Entwicklung des künstlichen Lichts, die uns ermöglicht die Nacht zum Tage zu machen und bis spät in die Nacht zu arbeiten und digital 24 Stunden verfügbar zu sein
  • Die puritanische Arbeitsmoral, die den Schlaf und die Ruhe als Vergeudung wertvoller Zeit sieht. „Als die puritanisch gegründeten USA im zwanzigsten Jahrhundert nicht nur zur wirtschaftlichen und politischen, sondern auch zur kulturellen Supermacht aufstiegen, hatte sich der Rest der Welt danach zu richten.“
  • Ein manischer Zustand der Neugier und des Erlebnishungers, der uns nicht zur Ruhe kommen lässt. „Die Rastlosigkeit als befreiender Rausch zieht sich bis heute als roter Faden durch die Kultur“, schreibt er.

Okay, das Licht kann man ausschalten – zumindest in der eigenen Wohnung – möglichst noch vor Mitternacht 🙂

Der Konditionierung der Selbstdefinition über Leistung und Erfolg zu entfliehen braucht schon ein Stück mehr Achtsamkeit…
Und die Fortsetzung der Ruhelosigkeit, der ständigen Verfügbarkeit und des permanenten Auf-Achse-Seins in unserer Freizeit zu überwinden erfordert Einsicht. Wir sind ruhelos wenn wir nicht wissen und bewusst erfahren, was zu Glück und Freude führt.

Tipps:

  • Abends vor dem Einschlafen den Tag rückwärts erinnern – nochmal ausgehend vom Zubettgehen und endend beim morgendlichen Aufstehen die Szenen des Tages Revue passieren lassen. Dabei ist es gut darauf zu achten, wann man glücklich war. Vielleicht war der glücklichste Moment des Tages als man kurz innehielt, um ein Gänseblümchen zu bewundern, das dem April-Schnee trotzt…
  • Morgens vor dem Aufstehen sich einige bewusste liebevolle achtsame Atemzüge gönnen:

– Einatmend weiß ich dass ich einatme, ausatmend weiß ich dass ich ausatme

– Einatmend lächle ich mir zu, ausatmend lächle ich meiner Umgebung zu

– Einatmend empfinde ich meine Lebendigkeit, ausatmend freue ich mich auf die nächsten 24 Stunden, die vor mir liegen.

– Einatmend empfinde ich Freude, ausatmend nehme ich mir vor, diesen Schatz der freudvollen Achtsamkeit in den nächsten 24 Stunden zu bewahren.

Gänseblümchen